Über unser Zentrum

In der Basilika St. Alexander und Theodor in Ottobeuren befindet sich das Nagelkreuz von Coventry seit 1964 und erinnert eindringlich an Versöhnung und Frieden. Ein regelmäßiger ökumenischer Friedensgebetskreis entstand auf Initiative des evangelischen Pfarrers Jürgen Thiede, der 1990 in die Gemeinde kam. Jeden Freitag um 12 Uhr versammeln sich seither die Teilnehmenden für etwa eine Viertelstunde. Fester Bestandteil der Treffen sind das Vaterunser, eine Schriftlesung mit Friedensbezug sowie das Gebet „Vater, vergib!“ Diese Worte hatte der Domprobst von Coventry, Richard Howard, 1940 in die Chorwand der durch deutsche Bomben zerstörten Kathedrale meißeln lassen.
Von Coventry aus verbreitete sich das Symbol nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Deutschland. Schon 1947 wurde Kiel das erste deutsche Nagelkreuzzentrum. Für die Verleihung an Ottobeuren spielte der Domprobst Harold Claude Noel William eine wichtige Rolle. Er übernahm 1958 die Leitung der Kathedrale von Coventry, deren Neubau 1962 geweiht wurde. William setzte entscheidende Akzente in der Versöhnungsarbeit, machte Coventry zu einem internationalen Wallfahrtsort und initiierte das Netzwerk der Nagelkreuzgemeinschaften. 1964 war er zu Gast in Ottobeuren, zwei Jahre später wurde er mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Bis heute besteht ein lebendiger geistlicher Bezug zu Coventry: Ottobeuren versteht sich als Teil der weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft. Besonders das gemeinsame Gebet „Vater, vergib!“ verbindet die Orte über Grenzen und Generationen hinweg. Theologisch steht dabei die Erkenntnis im Mittelpunkt, dass wahre Versöhnung nicht in Schuldzuweisung, sondern im gemeinsamen Hoffen und Handeln für den Frieden wurzelt.
Eine besondere Verbindung besteht zwischen dem Nagelkreuz und den traditionsreichen Ottobeurer Konzerten, die seit 1945 stattfinden. Ursprünglich im barocken Kaisersaal der Benediktinerabtei beheimatet, haben sie inzwischen ihren festen Ort in der Basilika gefunden – einem Raum, in dem Klang und Architektur in einzigartiger Weise miteinander verschmelzen. In den vergangenen Jahren hat sich ihr geistiger und gesellschaftlicher Bezug vertieft: Die Musik wird zunehmend verstanden als kultureller Ausdruck der Sehnsucht nach Frieden und Verständigung.
Seit einigen Jahren hat sich zudem eine eindrucksvolle Tradition herausgebildet: Am Ende der Konzerte legen die Dirigenten ihren Taktstock vor dem Nagelkreuz nieder, während das Geläut erklingt. Dieses symbolische Ritual verbindet die Musik mit der Botschaft des Nagelkreuzes und verschmilzt beide gleichsam zu einer Gabe für den Frieden.
Das Spezifische der Versöhnungsarbeit in Ottobeuren liegt genau in dieser Verbindung von Gebet, Kultur und Gemeinschaft. Hier wird Versöhnung nicht nur ausgesprochen, sondern gehört, gesehen und erlebt – in der Musik, in der Stille, im gemeinsamen Gebet. Ottobeuren zeigt, dass Friedensarbeit auch in ästhetischer und spiritueller Form geschehen kann: als Einladung zum Innehalten, Zuhören und Mitfühlen.
Andere können sich davon inspirieren lassen, wie aus einer kleinen, treuen Gebetsgemeinschaft und aus der Kraft der Kunst ein Ort gewachsen ist, an dem Versöhnung erfahrbar wird. Unterstützung ist willkommen – im Gebet, durch Begegnung oder durch Mitwirkung an der Fortführung dieser Friedensarbeit, die in ihrer Schlichtheit und Beharrlichkeit Zeugnis gibt für die bleibende Kraft des Nagelkreuzes.
Gerade heute, in einer Zeit weltweiter Konflikte und Spannungen, gewinnt das Nagelkreuz neue Aktualität. Es ist nicht nur ein historisches Relikt, sondern zugleich Mahnung und Hoffnung. Im Zusammenspiel mit der Musik der Ottobeurer Konzerte wird es zu einem eindrucksvollen Symbol – für Erinnerungskultur, gemeinsame Verantwortung und die Vision einer friedlicheren Welt. Jedes Konzert lädt so dazu ein, innezuhalten, zuzuhören und das eigene Handeln neu zu bedenken: im Geist des Friedens, den das Nagelkreuz verkörpert.

P. Immanuel Lupardi OSB

Ottobeuren – Benedektinerabtei

Die Benediktinerabtei St. Alexander und Theodor wurde 764 gegründet. Seither feiern die Ottobeurer Mönche in ununterbrochener Tradition das Chorgebet. 1711 – 1766 entstanden die Neubauten der Klosterkirche und Abtei, wegen ihrer Größe und Schönheit oft als “schwäbischer Escorial” bezeichnet.

Seit 1964 hüten die Mönche ein Nagelkreuz aus Coventry.

Benediktinerabtei St. Alexander und Theodor

Sebastian-Kneipp-Str. 1
87724 Ottobeuren

08332/7980
https://www.abtei-ottobeuren.de/

Anita Anderl

08332 – 86 21
franzx.anderl@t-online.de

Friedensgebet

jeden Freitag um 12.00 Uhr in der Basilika