Ein Dienst im Zeichen der Versöhnung: Dean John Witcombe tritt in den Ruhestand
Nach fast 13 Jahren wird The Very Reverend John Witcombe am 17. Mai 2026 zum letzten Mal den Gottesdienst in der Kathedrale von Coventry leiten und Ende des Monats in den Ruhestand treten. Für die Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e. V. ist dies ein Moment des Innehaltens, um auf ein außergewöhnliches Wirken zurückzublicken und von Herzen Danke zu sagen. John Witcombe hat unsere weltweite Gemeinschaft in dieser Zeit maßgeblich geprägt – nicht als ferner Repräsentant, sondern als ein zugewandter Spiritus rector, der die Versöhnungsarbeit mit Leidenschaft und Verstand vorangetrieben hat.
Oliver Schuegraf, Vorsitzender der deutschen Nagelkreuzgemeinschaft, würdigt die Arbeit von John Witcombe im Namen des Vorstandes: „John hat ein großes Herz und ein tiefes Verständnis für die weltweite Dimension der Nagelkreuzgemeinschaft. Es ist ihm auf beeindruckende Weise gelungen, in den unterschiedlichsten geographischen und kulturellen Kontexten ein Botschafter für die Versöhnung im Geiste Coventry zu sein. Er ist ein treuer und immer anregender Begleiter der deutschen Nagelkreuzgemeinschaft gewesen und uns durch viele Besuche freundschaftlich verbunden.“
Der Weg von John Witcombe nach Coventry war geprägt von Vielseitigkeit und einer tiefen theologischen Reflexion, die immer auch die gesellschaftliche Realität im Blick behielt. Nach seinem Jurastudium in Cambridge und einem Auslandsjahr in Manhattan führte ihn sein Weg zur Theologie. Seit seiner Priesterweihe im Jahr 1985 diente er an verschiedenen Stationen der Church of England – von der Gemeindearbeit in ehemaligen Bergbauregionen bis hin zur Ausbildung künftiger Geistlicher als Dekan des St. John’s College in Nottingham.
Im Januar 2013 trat er sein Amt als Dean of Coventry an. In einer Stadt, die für die Zerstörung des Krieges, aber eben auch für die Kraft der Vergebung steht, fand er seine Berufung darin, die Botschaft von Versöhnung und Frieden in die heutige Zeit zu übersetzen.
Struktur und Gemeinschaft
Unter der Leitung von Dean John ist das weltweite Netzwerk der Nagelkreuzgemeinschaft auf fast 300 Partner angewachsen. Er verknüpfte dabei die historische Bedeutung des Nagelkreuzes konsequent mit den aktuellen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Sein Verständnis von einer offenen Kirche zeigte sich in sehr praktischen Entscheidungen: Er schaffte die Eintrittsgebühren für die Kathedrale ab, um diesen Ort der Stille und Versöhnung für alle Menschen zugänglich zu machen.
Während des Jahres als Kulturhauptstadt Großbritanniens (2021) positionierte er die Kathedrale als lebendigen Ort der Künste, der Menschen unterschiedlichster Hintergründe zusammenführte. Zudem rief er das „Investors in Hope“-Programm ins Leben, um die Zukunft der Kathedrale und ihrer Versöhnungsarbeit finanziell abzusichern. Doch sein eigentliches Erbe sind die Beziehungen, die er geknüpft hat. Mit seinem Humor, seiner Nahbarkeit und seiner Überzeugung, dass Versöhnung kein statisches Ziel, sondern ein fortwährender Prozess ist, hat er die deutsch-britische Freundschaft innerhalb unseres Netzwerks nachhaltig gestärkt.
Menschliche Nähe und Solidarität in der Krise
Was John Witcombe über seine Ämter hinaus auszeichnet, ist seine großartige menschliche Nähe. Wer ihm begegnet, spürt seine Aufgeschlossenheit und sein echtes Interesse am Gegenüber. Er besitzt die Gabe, auch in komplexen Situationen persönliche Worte zu finden. Für ihn war das Nagelkreuz nie nur ein Symbol, sondern gelebte Praxis im konstruktiven Dialog. Er hat uns gezeigt, dass Versöhnung dort beginnt, wo man einander wirklich zuhört und Brücken baut. Wer Gottesdient mit ihm gefeiert hat, hat gespürt: Gott ist anwesend.
Viele deutsche Mitglieder kennen ihn persönlich von Pilgerfahrten nach Coventry oder von seinen zahlreichen Besuchen in Deutschland. Ob bei Nagelkreuzübergaben, Jubiläen oder seinen Predigten – etwa 2025 in Dresden – seine Worte blieben hängen, weil sie authentisch waren.
Sein Einsatz für den Frieden zeigte sich besonders eindrücklich angesichts der aktuellen Krisen in Europa. Seine Reise in die Ukraine 2024 war weit mehr als eine diplomatische Geste. Es war ein Zeichen der Solidarität, das den Menschen vor Ort in einer Zeit tiefster Verzweiflung Mut und Hoffnung schenkte. Er brachte die Botschaft von Coventry direkt an die Orte, an denen die Wunden der Gegenwart am tiefsten sind – ein Engagement, das weltweit mit großem Respekt wahrgenommen wurde.
Abschied und Wiedersehen in Darmstadt
Im November wird Dean John anlässlich des 60. Jubiläums der Nagelkreuzübergabe am 7. und 8. November 2026 noch einmal nach Darmstadt kommen. Dies wird eine wunderbare Gelegenheit sein, ihn persönlich zu erleben und sich in einem feierlichen Rahmen von ihm zu verabschieden. Wir laden alle Mitglieder und Freunde der Nagelkreuzgemeinschaft herzlich ein, diesen Moment mit uns zu teilen.
Wir danken John Witcombe für seinen unermüdlichen Einsatz, seinen Humor und seine tiefe Überzeugung. Für seinen neuen Lebensabschnitt, den er gemeinsam mit seiner Frau Ricarda und der Familie verbringen wird, wünschen wir ihm Gottes reichen Segen.
Für Vorstand und Leitungskreis der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e. V.: Niels Faßbender



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